Kurzarbeit – Zuverdienst und was Betroffene sonst noch wissen sollten

Immer mehr Betriebe melden aufgrund der Corona-Krise Kurzarbeit an. Arbeitnehmer sollten sich daher dringend informieren.

Kurzarbeit - © Anke Fröhlich © Anke Fröhlich

So weist der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ausdrücklich darauf hin, ohne vorherige Beratung keine Aufhebungs- oder Änderungsverträge zum Arbeitsvertrag zu unterschreiben, die der Arbeitgeber möglicherweise vorlegt.
Um Kurzarbeitergeld zu erhalten, müssen Beschäftigte unter bestimmten Umständen eine Einverständniserklärung unterschreiben. Auch hier sollte sich jeder im Vorfeld informieren. Aktuelle Hinweise des DGB finden Sie hier.
Auch die Agentur für Arbeit hat eine Website speziell für Arbeitnehmer zum Thema Kurzarbeit eingerichtet.
Die wichtigsten Fakten für Arbeitnehmer:

  • Um eine Anzeige einreichen zu können, muss der Arbeitgeber den betroffenen Arbeitnehmer*innen die Entscheidung zur Kurzarbeit ankündigen. Dafür wird üblicherweise eine Betriebsvereinbarung zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat abgeschlossen. Gibt es keinen Betriebsrat, bedarf es einer Einverständniserklärung aller von Kurzarbeit betroffenen Beschäftigten.
  • Kurzarbeitergeld bedeutet etwa 60 % vom Nettolohn für die ausgefallene Arbeit, in besonderen Fällen 67 % (wenn min. ein Kind im Haushalt lebt).
    Ab dem 4. Monat des Bezugs von Kurzarbeitergeld steigt es auf 70 % (allgemeiner Leistungssatz) und auf 77 % (erhöhter Leistungssatz), ab dem 7. Monat auf 80 %, bzw. 87 %, wenn mindestens ein Kind im Haushalt lebt.
    Diese Regelung ist befristet bis zum 31.12.2020.
  • Kurzarbeitergeld bekommen nur Beschäftigte, die in die Arbeitslosenversicherung einzahlen.
  • Erholungsurlaub für das laufende Jahr muss vor Beginn der Kurzarbeit nicht genommen werden. Resturlaub aus dem vergangenen Jahr muss vor der Kurzarbeit abgebaut, mindestens aber festgelegt werden.

Hinzuverdienstgrenzen bei Kurzarbeit und im Vorruhestand
Hinzuverdienst bedeutet bei Bezug von Sozialleistungen die Möglichkeit durch eine Nebentätigkeit das Einkommen zu erhöhen, dies ist häufig nur in begrenztem Umfang möglich. Werden bestimmte Grenzen überschritten wird ein Teil des Hinzuverdienst auf die Sozialleistung angerechnet.

Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Kurzarbeit weitet die Bundesregierung die Hinzuverdienstmöglichkeiten aus: Sie können vom 1. Mai bis 31. Dezember 2020 in allen Berufen bis zur vollen Höhe ihres bisherigen Monatseinkommens hinzuzuverdienen. Die Beschränkung auf systemrelevante Berufe ist aufgehoben.

https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/sozialschutz-paket-2-1746396

Wer Kurzarbeitergeld erhält, der musste bislang bei der Aufnahme einer Nebentätigkeit mit einer Kürzung des Kurzarbeitergeldes rechnen. Das Nebeneinkommen wurde in voller Höhe (Brutto) dem Istentgelt hinzugerechnet. Bis zum 31. Dezember 2020 wird das Einkommen aus einer Nebenbeschäftigung übergangsweise bis zur Höhe des Nettolohns aus dem eigentlichen Beschäftigungsverhältnis nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet. Somit werden Anreize für eine vorübergehende Beschäftigung geschaffen.

Hinzuverdienstgrenzen bei Vorruheständler in der gesetzlichen Rentenversicherung werden deutlich angehoben und in der Alterssicherung der Landwirte vollständig aufgehoben: Für das gesamte Jahr 2020 gelten diese neuen Regelungen bei den Hinzuverdienstgrenzen. Damit sollen finanzielle Anreize für eine vorübergehende Beschäftigung geschaffen werden. Siehe unter folgendem Link Punkt 5

Was heißt dies nun, wenn ich mich als Erntehelfer zur Verfügung stelle?
Der Landwirtschaft in Niedersachsen fehlen wegen der Corona-Krise viele Saisonarbeitskräfte aus dem mittel- und osteuropäischen Raum. Wer unterstützen möchte, kann in der Saison pflanzen und ernten! Doch an wen richtet sich der Aufruf? Was verdienen Erntehelfer? Und kann man trotz Kurzarbeit zusätzliches Geld verdienen?
Der Aufruf richtet sich an alle Menschen die sich derzeit in Kurzarbeit befinden und aktiv sein möchten.
Wer jetzt Erntehelfer werden will, der muss folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • keine Anzeichen einer Infektion mit dem Corona-Virus
  • man darf NICHT zu einer Risikogruppe gehören
  • man darf in den vergangenen 14 Tagen NICHT in einem Risiko-Gebiet gewesen sein

Die Bundesregierung geht nach aktuellem Kenntnisstand davon aus, dass Erntetätigkeiten auf dem Feld kein erhöhtes Ansteckungsrisiko bergen. Die nötigen Schutzmaßnahmen wie beispielsweise Abstand halten, lassen sich bei der Ernte auf dem Feld problemlos umsetzen.
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelles/erntehelfer-gesucht-1737804

Rechner - © Matthias Brandner © Matthias Brandner

Was verdienen Erntehelfer?
Nun aber zum Geld: Viele fragen sich sicherlich, was ein Erntehelfer verdient. Als Erntehelfer gibt es keinen pauschalen Stundenlohn. Der Verdienst ist individuell zu vereinbaren.
Selbstverständlich gilt auch für Erntehelfer – egal ob aus dem Ausland oder Deutschland, ob schnell oder gründlich, ob erfahren oder unerfahren – der Mindestlohn als Untergrenze. Der gesetzliche Mindestlohn liegt in Deutschland seit 1. Januar 2020 bei 9,35 Euro pro Stunde. Dieser Betrag ist sicher.

Wie wirkt sich ein Hinzuverdienst/ eine Nebenbeschäftigung auf die Höhe des Kurzarbeitergeldes aus?
Bei Aufnahme einer Nebenbeschäftigung in einem systemrelevanten Bereich bleibt das Nebeneinkommen in der Zeit vom 01.04.2020 bis 31.10.2020 anrechnungsfrei, soweit das Entgelt aus dem Nebeneinkommen mit dem verbliebenen Ist-Entgelt das Soll-Entgelt nicht übersteigt.
Systemrelevante Branchen oder Berufe sind zum Beispiel:

  • medizinische Versorgung, ambulant und stationär, auch Krankentransporte
  • Versorgung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen mit Lebensmitteln, Verbrauchsmaterialen
  • Versorgung mit unmittelbar lebenserhaltenden Medizinprodukten und Geräten
  • Versorgung mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln
  • Labordiagnostik
  • Apotheken
  • Güterverkehr zum Beispiel für die Verteilung von Lebensmitteln an den Groß- und Einzelhandel
  • Lebensmittelhandel – zum Beispiel Verkauf oder Auffüllen von Regalen
  • Lebensmittelherstellung, auch Landwirtschaft
  • Lieferdienste zur Verteilung von Lebensmitteln

Anbei finden Sie Beispielrechnungen für einen anrechnungsfreien Zuverdienst als Erntehelfer bei Kurzarbeit null (Arbeitsausfall 100 Prozent, das heißt die Arbeit wird für eine vorübergehende Zeit vollständig eingestellt):

  1. Regelverdienst 2.500 € im Monat bei 40 Stunden/Woche, Steuerklasse III, zwei Kinder
    pauschalierter Nettolohn 1.933 €
    Kurzarbeitergeld bei vollständigem Lohnausfall: 1.295 € (1.933 – 33%)
    Abzugsfreier Zuverdienst 1.933 - 1.295 = 638 €
    dies entspräche bei Mindestlohn (9,35 €) einer Monatsarbeitszeit von 68 Stunden und einer Wochenarbeitszeit von ca. 15 Stunden.
  2. Regelverdienst 2.500 € im Monat bei 40 Stunden/Woche, Steuerklasse I, keine Kinder
    pauschalierter Nettolohn 1.694 €
    Kurzarbeitergeld bei vollständigem Lohnausfall: 1.016 € (1.694 – 40%)
    Abzugsfreier Zuverdienst 1.694 – 1.016 = 678 €
    dies entspräche bei Mindestlohn (9,35 €) einer Monatsarbeitszeit von 72 Stunden und einer Wochenarbeitszeit von ca. 16 Stunden.
  3. Regelverdienst 3.000 € im Monat bei 40 Stunden/Woche, Steuerklasse III, zwei Kinder
    pauschalierter Nettolohn 2.235 €
    Kurzarbeitergeld bei vollständigem Lohnausfall: 1.497 € (2.235 – 33%)
    Abzugsfreier Zuverdienst 2.235 – 1.497 = 738 €
    dies entspräche bei Mindestlohn (9,35 €) einer Monatsarbeitszeit von 79 Stunden und einer Wochenarbeitszeit von ca. 18 Stunden.
  4. Regelverdienst 3.000 € im Monat bei 40 Stunden/Woche, Steuerklasse 1, keine Kinder
    pauschalierter Nettolohn 1.965 €
    Kurzarbeitergeld bei vollständigem Lohnausfall: 1.179 € (1.965 – 40%)
    Abzugsfreier Zuverdienst 1.965 – 1.179 = 786 €
    dies entspräche bei Mindestlohn (9,35 €) einer Monatsarbeitszeit von 84 Stunden und einer Wochenarbeitszeit von ca. 19 Stunden.

Vor der Aufnahme einer Beschäftigung raten wir dringend zu einer Beratung durch die für Sie zuständige Stelle.
Wir freuen uns wenn die Informationen dazu beitragen sie für die MITarbeit zu gewinnen und Ihnen bei der Entscheidung helfen.

Kontakt:
Matthias Brandner
Fachreferent Arbeitnehmerberatung
Telefon: 0441 801-328
Telefax: 0441 801-392
E-Mail:


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