Fehler als Chance nutzen: Entwickeln Sie eine Fehlerkultur in Ihrem Betrieb

„Puuh, das hätte nicht passieren dürfen. Wie sage ich das nur meinem Chef? Das gibt bestimmt Ärger. Am besten sage ich gar nicht, was los ist.“ Wie reagieren Ihre Mitarbeitenden, wenn sie Fehler machen?

Gesprächssituation - © Andreas Teichler © Andreas Teichler

Fehler können ärgerlich und mit hohen Kosten oder Zeitverlusten verbunden sein, möglicherweise sind sie sogar unfallträchtig oder gesundheitsschädlich. Daher ist es vielleicht menschlich und nachvollziehbar, wenn Vorgesetzte bei Fehlern von Mitarbeitenden mit Vorwürfen ungehalten reagieren. Doch sind ärgerliche Reaktionen oder gar Sanktionen hilfreich?

Angst vor Fehlern und dem Scheitern
Auf dem ersten Blick arbeiten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vielleicht sorgfältiger, wenn sie bei Fehlern mit negativen Konsequenzen rechnen müssen. Allerdings führt Angst zu einer Verunsicherung und somit zu Fehlern, die sonst nicht passiert wären. Nach dem Motto „Besser gar nichts, als Falsches tun“ verhalten sich ängstliche Mitarbeitende zurückhaltend und weniger aktiv.  Gelähmt verfolgen sie lieber gewohnte Wege und verwirken damit die Chance auf einen größeren Erfolg.   

Fokussierung auf Fehler
Der Fokus auf Fehler kann zu neuen führen. Wer sehr damit beschäftigt ist, Fehler zu vermeiden, lenkt die Aufmerksamkeit weg von dem, was wirklich wichtig ist und zum Ziel führt. Außerdem steigt bei dem Gedanken „Hoffentlich läuft das jetzt nicht schief“ die Wahrscheinlichkeit, dass der zu erwartende Fehler auch tatsächlich eintritt.

Perfektionismus und Selbstbewusstsein
Erfahrungen mit Fehlern, Lob und Tadel werden von Kind an geprägt. Perfekt sein ist für viele der Maßstab des Selbstwertgefühls. Fehler können dann zu Minderwertigkeitsgefühlen und Mutlosigkeit führen. Ein selbstbewusster Mensch akzeptiert eher, dass Fehler vorkommen und geht demzufolge offener und konstruktiver damit um. Dazu gehört z.B. den Schaden zu begrenzen oder zu beheben und darüber nachzudenken, wie sich der Fehler zukünftig vermeiden lässt.

Einführung einer Fehlerkultur
Eine Abstrafung von Fehlern, sei es verbal oder mit Sanktionen, ermutigt Mitarbeitende also nicht, sich mit neuen Ideen einzubringen. Sie führt zu Angst und Stress, Leistungsdruck und mangelndem Selbstbewusstsein und daher zu mehr Fehlern.
Für den Unternehmenserfolg ist es somit sinnvoll, eine Fehlerkultur einzuführen, die Fehler vermeidet und wenn sie auftreten, als Chance für eine persönliche und betriebliche Weiterentwicklung zu nutzen.
Dafür muss im Betrieb geklärt werden, was damit gemeint ist, was erreicht und wie sie umgesetzt werden soll. Wichtig ist, dass alle Beteiligten den Nutzen erkennen. Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter/innen ein, um den Handlungsbedarf zu erkennen, zu analysieren und Lösungskonzepte zu erarbeiten. Gemeinsam können sie klären, in welcher Art und Weise mit Fehlern und deren Risiken und Folgen umgegangen werden soll.

Fehler offenlegen
Als Betriebsleiter/in sollten Sie erwarten, dass Fehler sofort gemeldet werden. Voraussetzung dafür ist eine angemessene Kommunikation und ein Betriebsklima, das frei von Ängsten und Schuldzuweisungen ist. Sie müssen die Möglichkeit bieten, offen und ehrlich über Fehler sprechen zu können. Unterstützen Sie die Meldung von Fehlern, indem Sie positiv und ermutigend darauf reagieren.

Bearbeitung von Fehlern

1. Wichtige Informationen zum Vorfall sammeln, alle Beteiligten nehmen sachlich Stellung
2. Zusammenhänge analysieren, die zu dem Ereignis geführt haben:  organisatorische, technische und menschliche Einflussfaktoren
3. Auswertung und Bewertung der Erklärungen
4. Maßnahmen erarbeiten, um Fehler nicht zu wiederholen und aus Fehlern zu lernen

In einer offenen Fehlerkultur werden Fehler nicht verheimlicht, sondern als Chance genutzt, persönlich und wirtschaftlich erfolgreich zu sein. Allerdings lässt sich ein offener und konstruktiver Umgang mit Fehlern nicht von heute auf morgen umsetzen. Dafür sind negative Erfahrungen mit Fehlern bei vielen Menschen zu tief verankert. Doch es wird sich nach und nach eine positive Veränderung einstellen, wenn sie als Betriebsleiter/in die Regeln vorleben und diese von den Mitarbeitenden verstanden und akzeptiert werden.

Autorin: Heinke Blankenforth

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